|
|
Reisebericht Törn A7 /2004 Skipper: Erich (Enrico) Haider Die letzte Etappe eines 12er nach einer erfolgreichen Saison 2004 Heuer war die SY "ANITA" wieder mal in Madeira, Azoren und Spanien. Die Wintermonate waren günstig für eine intensive Vorbereitung für die Reise A6 und A7. Wochenlang lagen aufgeschlagene Bücher wie der Reeds, Strom und Gezeitenatlas, Wassersport in Großbritannien, sowie die Revierführer Atlantik, Nord und Ostsee auf einem gesonderten Schreibtisch. Bei schlechtem Wetter mit starker Westlage wurden für uns anlaufbare Häfen in unserer Route ermittelt. Dabei war das Internet und das PC-Kartenmaterial sehr hilfreich. Die Überquerung des Pentland Firth war noch ein Problem. Wir mußten sehen, daß wir die errechneten Zeitfenster mit unserem Schiff nutzen können. Werden aber zur Sicherheit einen Bogen zu den Orkneys nehmen, damit wir nicht so mit der Strömung zu kämpfen haben. Strom bis 16 Knoten laut Revierführer Atlantik auf Seite 227 hätte ein Schiff ohne Motor schlechte Karten. Bis zur Reise wurde viel Papier zum Mitnehmen ausgedruckt. Von La Coruna in Nordspanien segelten wir durch die Biskaya, durch die irische See, durch den Caledonien Canal nach Inverness. Selbst fuhr ich als 1 WO mit. Die letzte Etappe vom Kettentörn war dann Inverness Kiel. Ich brauchte also nur auf meine Mannschaft in der schönen Seaport Marina des Canals in Inverness warten. Sie kamen dann alle am Freitag den 13.August mit dem Flieger an. Samstag, den 14.August Es wurde eingekauft und das Schiff seeklar gemacht. Schwimmwesten und Lifebelts anpassen, Vorführung der Lifeleinen auf Deck, die an Steuerbord und Backbord von Achtern bis zum Bug laufen. Erklärung des Riggs und des Ankerspills, Funktion der Deckwaschpumpe als Feuerlöschpumpe, die Lenzpumpen, zwei elektrisch und drei von Hand, unsere Rettungsmittel wie die zwei Rettungsinseln, die beiden SEATEC Rettungsbojen und die Bergeschlaufe LIFESLING wurden ausgiebig erklärt. Sonntag, den 15.August. Um 10 Uhr klar zum Auslaufen und Leinen los. Unser Dinghi mit seinem 8 PS Außenborder schob uns langsam zu den letzten 2 Seeschleusen. Kurz vor Schleuseneinfahrt blieb unser Motor stehen, oh Schreck. Eine Yacht die aus der Schleuse kam nahm uns sofort längsseits. Die SY "Robins Dream" brachte uns zurück an die Pier. Beim Rausheben des Motors schwamm eine kleine Plasticfolie davon! Wir lassen den Motor abkühlen und hoffen, daß er sich wieder bewegen lässt. Die Zündkerze wurde ausgeschraubt und Öl in den Kolbenraum reingespritzt. Als er dann handwarm wurde lies er sich wieder durchdrehen, welch ein Glück. Wir machen einen längeren Probelauf im Standgas und danach eine Hafenrundfahrt mit dem Dinghi. Er schnurrte so wie früher. Nach eineinhalb Stunden ein erneuter Anlauf auf die Seeschleuse. Alles ging gut und der Motor brachte uns ins freie Wasser. Wir waren jetzt im großen Moray Firth mit dem Ziel die Orkneys. Mit dem NE Wind 0-1 kamen wir kaum vorfährst und machten bis Mitternacht nur 33 sm. Montag, 16. August. Immer noch NE 0-1. BBC meldet für Abends Windstärke 6 bis 7 Bft. Die Strömung war stärker als der Wind und somit kamen wir nur sehr langsam nach Norden. Wir suchten einen Unterschlupf für die Nacht. Wir liefen um 18 Uhr bei etwas Nebel Wick an. Die Molenfeuer waren nicht eingeschaltet. Die Anmeldung beim Hafenmeister ergab, daß wir wegen zu geringer Wassertiefe nicht einlaufen könnten. Hafenhandbuch sagt aber 3,5 Meter bei Niedrigwasser. Also drehten wir ab und suchten uns nördlich einen Ankerplatz. Bald darauf ein Anruf vom Hafenmeister, wir könnten doch einlaufen und er schickt uns ein Begleitboot, denn in der Nähe der Hafeneinfahrt sagte der Hafenmeister, liegt ein schlecht gekennzeichnetes Wrack. Die Molenfeuer wurden eingeschaltet und wir laufen unter Radar, voraus das Begleitboot in den Hafen von Wick. 19:45 dann fest an der SE-Mauer des Hafenbeckens. Danach erfuhren wir, daß es ein Missverständniss am UKW Telefon war wegen der Wassertiefe. Dienstag, 17.August. Nachts hat es erheblich in der Takelage gepfiffen. Der Hafenmeister versorgte uns mit Wasser, das leider sehr rostig war und bot uns den Hafenpilot an zum Rausschleppen. Wir nahmen dankend an. Um 11:40 kam der etwas zu kleine Schlepper und nahm unsere Schleppleine. Er zog uns mit kräftigem Wind gegenan aus dem Hafenbecken vorbei am Wrack. Danach kam der Seegang und der kleine Schlepper tanzte hin und her. Es wurde für ihn sehr ungemütlich und bat die Schleppleine zu lösen. Wir waren ja jetzt weit genug vom Wrack und lösten die Leine. Mit Fock und Besan ging es flott durchs Wasser bis zu 8 Knoten. Mittwoch, 18.August. Ungünstige Winde, viel Flaute und die Strömung versetzte uns nach Süden, sodaß wir die Orkneys aufgaben. Wind ENE 4 5, Seegang 4, wir durchkreuzten die Ölfelder "Ross Oil", "Halibut Bank", "Scott Oil" und "Glamis Oil". Einer Bohrinsel sind wir anscheinend zu nahe gekommen und ein Wachboot forderte uns auf mehr Abstand zu der Bohrinsel zu halten Unser Smut Margitta die Seele vom Schiff, verwöhnte uns täglichst mit leckeren Speisen. Dadurch wurde auch in Zeiten des hohen Wellengangs die Moral gehoben und mit der Zeit verschwanden die letzten grünen Gesichter. Donnerstag, 19.August. Mittags drehte der Wind auf SW 4 -5 und für eine Stunde kam endlich die Sonne raus, welch eine Wohltat. Wir verlassen am Nachmittag das letzte Feld mit Namens "Sleipner Gas Feld" und halten weiterhin Kurs auf Südnorwegen. Die Nacht war ruhig und kein Schiffsverkehr war sichtbar. Freitag, 20.August. Immer noch starker Seegang. Die Wellen kommen dwars, sodass das Schiff unangenehme Schaukelbewegungen macht. Selbst in der Koje ist es ungemütlich und die Rippen werden stark durchgewalkt. Um 11 Uhr kommt auf Kanal 16 eine weitere Gate Warnung. Auf der Isobarenkarte ist nichts zu erkennen und auf der Homepage des DWD kein Hinweis. Um 11:25 dann die DWD Meldung auf der Homepage: NW 7- 8 für Utsira, Fischer und Skagerrak. Das müssen wir nicht haben, also nix wie weg. Wir steuern Mandal in Südnorwegen als hervorragenden Schutzhafen an. Die Einfahrt durch die Schären wird nicht ganz einfach, jedoch rechnen wir, dass der Seegang durch die Inseln gedämpft werden. Kurz vor der engen Einfahrt war das Wasser friedlich wie ein kleiner See. Also alle Segel bergen und mit dem Dinghi schieben wir uns in den Hafen zum Gästeschwimmsteg. Wir wollten eben Kurs zum Steg anlegen da merkten wir, daß wir keine Fahrt mehr machten. Wir saßen auf. Da niemand zu sehen war der uns helfen konnte steckten wir mehrere sehr lange Leinen zusammen und das Dinghi brachte das Ende zum Schwimmsteg. Gut, dass kein Schiffsverkehr herrschte, so konnten wir uns über die Ankerwinsch vom Dreck zum Steg ziehen. Wir machten um 15:30 dort fest. Nachts pfiff der Sturm hörbar über uns weg. Samstag, 21.August. Gut, daß die Sonne wieder scheint, so wird das klamme Schiff, das Ölzeug, die Matratzen und die Schlafsäcke trocken. Seit Inverness hatten wir eine ständige Luftfeuchtigkeit zwischen 90 und 100 Prozent. Wegen des rostigen Wassers öffneten und reinigten wir unsere Wassertank. Sonntag, 22.August. Hafentag in Mandal. Ein Ausflug auf die Höhenzüge mit Sicht zur See wurde unternommen. Wir sahen in der Ferne Frachter die schwer gegen die aufgewühlte See kämpften. Nur gut, daß wir in einem geschützten Hafen liegen. Mit Stadtbesichtigung und Einkaufen ging der sonnige Tag zu Ende. Der Sturm läßt gegen Abend nach. Das Tief ist über uns durchgezogen. Montag, 23.August. Die Zeit rennt und wir müssen nach Kiel. Also um 4 Uhr wecken und auslaufen. Die versprochenen Winde W 4 -5 für Skagerrak wurden leider uns nicht beschert. Tief über Irland und Tief über Mittelschweden, wir liegen mitten drin im Schwachwindbereich. Mittags wurden die Sextanten ausgepackt um die Standlinien zu ermitteln. Wind WSW 2 forderte uns heraus, den 240 qm Spi um 11:50 zu setzen. Schon wurde die Fahrt merklich schneller. Gegen 19 Uhr schlief der Wind ein und wir mussten den Spi bergen. 34 Seemeilen konnten wir unter dem großen bunten Segel zurücklegen. Nachts dann mehrere Begegnungen mit Fischern. Die einen liefen mit Volldampf nach Skagen, die anderen schleppten noch ihre Netze dazwischen oder hinter sich. Die Wachführer zeigten Nervenstärke und hatten mit Radarplotten alles im Griff. Dienstag, 24.August. Um 13 Uhr hatten wir Skagen querab. Südliche Winde sind angesagt. Wir geben Marstrand auf und wollen vorher noch viel Süd machen. Haben nun Südkurs und das Wetter wird wieder schlechter. ESE 4 -5 mit Regenschauern. Mittwoch, 25.August. Nachts heftige Regenschauer mit Gewitter und kein Wind. Am frühen Morgen wieder leichte Brise die aber nur bis Mittags anhält. Vor uns liegt Grena, motoren zum Hafen und melden uns via UKW an. Über Land kam sehr schnell eine Wolkenfront, sodaß wir sofort das eingeleitete Hafenmanöver abbrachen, Segel setzten und in Südrichtung weiterfuhren. Der Hafenmeister wurde von unserem Tun informiert, denn wir hätten nach der Hafenmole sofort nach Steuerbord rüber müssen in das sehr enge Hafenbecken. Das war durch den plötzlichen Windeinfall zu gefährlich. Mit SW 3 4 peilen wir die Insel Hjelm an. An der Insel Hjelm kam dann die Entscheidung ob wir nach Ebeltoft segeln sollen. Es sind an die 20 Seemeilen nach Nordwest und die Einfahrt in den Hafen wegen der sehr schmalen Fahrrinne etwas heikel. Da der Wetterbericht wieder sehr schlechtes Wetter ankündigt, beschlossen wir in Ballen einzulaufen. Donnerstag, 26.August. Die Nachtfahrt entlang des T Weges war durch den regen Schiffsverkehr interessant, sodaß die Zeit schnell verging und wir bereits Morgens vor Ballen waren. Segel bergen und langsam mit dem Dinghi in den Hafen. Alles war voll und wir wollten uns längseits an einen alten Segler der als Tauchboot fungierte festmachen. Nach passieren der Mole sahen wir parallel zur Mole einen Steg der noch frei war. Der Steg war kaum länger als unser Schiff und somit mussten wir schnell mit der Bremsleine die Fahrt rausnehmen. Es klappte wieder hervorragend und um 7 Uhr waren wir fest. Die Sonne kam heraus und wir nutzten sie unser Schiff wieder zu trocknen. Freitag, 27.August. 6 Uhr ablegen am Steg. Doch da kamen schon die ersten Schwierigkeiten. Der Wind hat aufgeprist und gedreht. Er steht jetzt auf die Molenmauer. Durch den kurzen Anlegesteg konnten wir keine Fahrt von Hand ins Schiff bringen. Also banden wir mit Hilfe des Dinghi zwei Zugleinen an der gegenüber liegenden Mole fest. Eine Leine dann zur Ankerwinde und die andere Mittschiffs zur Winsch. Gut, dass es so früh war und keiner in oder aus dem Hafen wollte, bis auf ein kleines Fischerboot das die Situation erkannte. Mit Dinghi längseits und viel Zug auf unsere Leinen erreichten wir die Mitte der Hafenausfahrt und kamen ins freie Wasser. Das Dinghi musste dann zurück und unsere beiden Leinen und Leute wieder einholen. In der Zwischenzeit setzten wir unsere Segel. Mit Regen und Wind aus SSW 6 - 7 kreuzten wir an der Ostküste von Langeland entlang. Viele leere Tanker begegneten uns auf dem T Weg die zu den Ölplattformen zum Bunkern fuhren. Man hörte ja, daß der Ölpreis im Steigen ist. Um 11:50 durchfuhren wir die große Beltbrücke. Die Durchfahrt ist immer wieder faszinierend. Samstag, 28.August. Sind auf dem Weg zur Kieler Förde bei SW 3 4. Nach dem Kieler Leuchtturm segelten wir in Richtung Strande um aus dem sehr frequentierten Fahrwasser unsere Vorbereitungen für das kommende Hafenmanöver zu treffen. Das Groß wurde auf dem Baum aufgetucht und die Genua gegen die Arbeitsfock ausgetauscht. Festmacherleinen, Bremsleine, Fender und der wichtige Heckanker für alle Fälle zum Bremsen, aus der Achterlast geholt und an Deck klar gelegt. Wir wussten vom Hafenmeister, daß der lange Schwimmsteg frei ist. Das Anlegemanöver klappte hervorragend und um 10:35 waren wir fest im Yacht-hafen von Laboe. Danach klar Schiff und Reinigung innen und außen. Die Reise war zu Ende und im Log-buch standen 918 Seemeilen. Wir hatten eine sehr schöne Reise, auch wenn das Wetter und der Seegang nicht immer freundlich uns gesinnt war. Leider konnten wir aus Zeitmangel verursacht durch viel Flaute keine weiteren Häfen anlaufen. Aber verschoben ist nicht aufgehoben. Interessant war auch die Aufnahmen des Wettersatelliten NOAA 17. So konnten wir doch sehen wie breit das Wolkenband und vor allem die Zugrichtung in unserem jeweiligen Seegebiet über uns ist. War eine gute Idee über den Winter solch ein Modem zu bauen. Abends dann Skipperessen im Landgasthof und dabei feierten wir unsere zwei neuen Skipper Jürgen und Michael. Beide fuhren bei mir mit und sie werden ihre Sache gut machen. Fahre seit 35 Jahren auf der ANITA, davon fast 20 Jahre als Skipper. Nun wird es Zeit aus dem Skipperleben sich zurück zu ziehen und den jüngeren eine Chance geben. Wie jedes Jahr prämiert die Kreuzer-Abteilung des Deutschen Seglerverbandes herausragende Reisen ihrer Mitglieder durch eine Jury. Wir haben mit unserer Reise im Rahmen des Fahrtenwettbewerbs dem kritischen Blick der Prüfer gestellt und eine Gold Medaille im Fahrtenwettbewerb See verliehen bekommen Außerdem wurde uns der A. G. Nissen Preis verliehen. Dieser Wanderpreis wird vergeben im Fahrtenwettbewerb See für besondere Leistung im Nordseebereich. Ganz herzlichen Dank an eine hervorragende Crew. Die Crew Der Skipper
Goldplakette der KA A.G. Nissen - Preis wieder im Heimathafen
|