Törnbericht

Anita – Törn A5 vom 01.07. – 17.07.04 Horta, Azoren – La Coruna, Spanien

Skipper: Klaus Dettmann

Vorgeschichte:

Ursprünglich wollte ich als Wachführer bei Reinhard Beer für den Törn Azoren – La Coruna mitsegeln, da dieser aber aus familiären Gründen absagen musste, kam ich zu meiner ersten Skipperreise auf der Anita. In den beiden vergangenen Jahren war ich jeweils als Wachführer bei Tobias Simon mitgesegelt.

Als schwierig erwies sich für mich als relativ unbekannter Skipper die Zusammenstellung der Crew. Zwar standen mir schon früh mit Tobias als sog. "Old man" und Christian Mertens als Wachführer sowie Margitta Schlensog als Smut erfahren Anita Segler zur Seite. Hinzu kamen relativ schnell Claus Helmrath, seine Tochter Heike, Hans Köpsel und Ines Weirich, so dass wir zu Anfang des Jahres 8 Personen waren. Die restlichen 2 fehlenden sollten auch noch leicht zu finden sein.

Dies erwies sich jedoch als Trugschluss, zudem sagen Christian und Ines aus beruflichen Gründen wieder ab, so dass die Crew zum Treffen am 23.05.04 im SCR in Walluf nur noch aus 6 Personen bestand.

Unter diesen Umständen schien es mir sehr gewagt, über den Atlantik zu segeln und erwägte, nur innerhalb der Azoren zu segeln. Den Vorstand mit dieser Meinung konfrontierend, hieß es nur, die Anita müsse auf alle Fälle nach La Coruna gebracht werden, und finde ich nur Mitsegler unter dem Motto "Hand gegen Koje", soll heißen, die SKO übernimmt bei Bedarf die Törn- bzw. die Flugkosten.

In der Folgezeit schickte ich ein Rundschreiben an 142 SKO – Mitglieder, die ich aus der Mitgliederliste ausgewählt hatte, und machte auch auf diesem Weg Werbung für meinen Törn. Einige meldeten sich darauf bei mir, allerdings alles nur Absagen. Einige wollten sich noch im Bekanntenkreis umhören und auf die SKO aufmerksam machen. Auf Grund dieser Aktion meldete sich Igor Jaceniak aus St. Augustin bei mir unter Zugeständnis eines reduzierten Törnbeitrags an. Mittlerweile hatte auch Christian wieder zugesagt, da er seinen neuen Job erst im August antreten musste. Als letzter meldete sich Wigand Lange am letzten Wochenende vor Abflug bei mir, da er im Internet gelesen hatte, die SKO würde die Flugkosten übernehmen. So wurde das letzte Flugticket erst am Mo, 28.06.04 bestellt, dass ich dann am 30.06. in der Post hatte, so dass wir am 01.07. fliegen konnten.

Do., 01.07.04:

Tobias, Claus, Heike, Hans, Wigand und ich flogen um 07:30 Uhr ab Frankfurt mit der TAP Air Portugal über Lissabon nach Horta, Christian und Igor folgten mit der Maschine der selben Fluggesellschaft um 14:15 Uhr ab Frankfurt. Margitta war, da sie schon den Törn A4 bei Eckard Starke mitgesegelt hat, schon vor Ort.

Probleme gab es beim Hinflug mit den automatischen Rettungswesten. Während alle, die morgens geflogen waren, die Rettungswesten nach kurzer Diskussion am Schalter in den Reisetaschen lassen konnten, mussten Christian und Igor die CO2 – Patronen am Flughafen lassen.

Kurze Irritationen gab es auch noch am Flughafen in Lissabon beim Bording für den Flug nach Horta. Ich hatte für alle einen sog. Gabelflug gebucht, d.h. Hinflug nach Horta und Rückflug ab Lissabon. Nur war die Dame beim Einsteigen der Meinung, wir hätten das falsche Ticket dabei, da sie den Flug von Horta nach Lissabon vermisste. Nachdem wir sie aufgeklärt hatten, dass wir die Strecke segeln würden, war das auch geklärt.

In Horta angekommen, mieteten wir gleich am Flughafen einen Toyota – Kleinbus mit 9 Sitzplätzen für die erforderlichen Einkäufe sowie für eine geplante Inselrundfahrt.

Mittags fand dann die Schiffsübergabe statt, die ohne Probleme vonstatten ging. Ich übernahm die Anita in einem sehr guten und sauberen Zustand von Eckhard Starke.

Der Dieseltank wurde aus den Kanistern voll gemacht. Da wir in der Anfangszeit wegen des Azorenhochs mit wenig Wind rechneten, verzichteten wir darauf, 2 Dieselkanister wieder mit Diesel zu füllen. Stattdessen widmeten wir diese zu Spritkanistern um und füllten diese mit Gemisch für den Außenborder. Einen Großteil der nötigen Vorräte besorgen wir schon am ersten Tag, auch mussten Igor und Christian ja noch vom Flughafen abgeholt werden.

Abends gingen wir Essen, der Tagesabschluß fand im Peter Cafe Sport statt, jener legendären Kneipe, die ein Muß für jeden Segler ist. In dieser hängen unzählige Stander und Flaggen von Crews und Schiffen, die in Horta Station gemacht haben, so eben auch der Stander von SCR und jetzt auch der Stander der SKO.

Da Eckard und noch 2 Mitsegler diese Nacht noch an Bord blieben, zogen es Christian und Wigand vor, an Deck zu schlafen, was zu dieser Jahreszeit kein Problem war.

Die Ortszeit auf den Azoren ist MESZ – 2, d.h. genau UTC. In UTC sind somit alle folgenden Zeiten bis zu unserem Ankerplatz vor El Ferrol angegeben.

Fr., 02.07.04:

Der Vormittag wurde für weitere Einkäufe genutzt, darunter auch 200 1,5Ltr-Flaschen Wasser, da wir mit wenig Wind und warmen Temperaturen rechnen mussten.

Hans musste noch ins Krankenhaus, aber nur, da er ein Rezept für Medikamente benötigte, die er zuhause vergessen hatte.

Eckhard und seine noch verbliebenen Mitsegler verabschiedeten sich zum Flughafen.

Nachmittags stand eine Inselrundfahrt auf dem Programm, die zuerst hinauf zur Caldera, einem zusammengesackten Vulkankegel führte. Diese präsentierte sich glücklicherweise frei von Wolken und gewährte einen schönen Blick vom Rand in den erloschenen und mit viel Grün überzogenen Vulkankegel.

Von dort aus ging es im Uhrzeigersinn um die Insel, zunächst über Ponta do Varadouro im Südwesten an die Westspitze, Ponta dos Capelhinos. Dieser Teil der Insel ist erst 1957/58 bei einem Vulkanausbruch entstanden. Dabei wurden ein Leuchtturm und ein Ort von meterdicken Ascheschichten zugeschüttet und zerstört.

Der Leuchtturm Ponta da Ribeirinha an der Ostecke wurde 1998 bei einem Erdbeben zerstört. Diesem statteten wir ebenfalls einen Besuch ab. Mittlerweile ist dieser einst stattliche Leuchtturm mit Wohnungen durch ein solarbetriebenes Leuchtfeuer auf einer 2m hohen Stange ersetzt worden. Von dort ging es zurück nach Horta.

Nach einem guten Abendessen im gleichen Lokal wie gestern ging es auch wieder zu Peter.

Sa., 03.07.04:

Am Vormittag musste das Auto wieder abgegeben werden, glücklicherweise nicht am Flughafen, da die Mietwagenfirma in Horta auch ein Büro unterhält. Unter der Regie von Tobias wurden die Wanten, da diese einen zu schlaffen Eindruck machten, nachgespannt. Auch wurde der Mast einer genauen Inspektion unterzogen. Dabei wurden einige Muttern an den Salingsdurchgängen für die Wanten nachgezogen.

In Horta ist es üblich, dass sich jede Crew im Hafen mittels eines selbst gemalten Bildes verewigt. Da Eckhard schon den SKO - Stander mit den Namen seiner Crew darauf mit Harz auf die Pier geklebt hatte, versahen wir diesen nur noch mit einem weißen Rand und den Namen unserer Crew darauf. Da auch der SCR auf Horta ein "Grundstück" besitzt, verewigten wir uns auch dort noch mit unseren Namen. Diese künstlerischen Tätigkeit übernahm Wigand

Die Wassertanks sowie die an Bord befindlichen Wasserkanister wurden noch einmal Randvoll gemacht.

Um 15:00 Uhr wurde von mir ausklariert während der Rest der Crew die Anita segelfertig machte.

Um 16:00 Uhr legten wir unter Genua 2 und Besan bei Nordwind um 2 Bft. und bedecktem Himmel ab und kreuzten aus dem Hafen hinaus. Danach schlugen wir auf Steuerbordbug einen nordöstlichen Kurs ein, der uns abends ca. 5 Seemeilen westlich an Sao Jorge und, da der Wind weiter auf Nord drehte, nachts südöstlich an Graciosa vorbei auf den freien Atlantik führte. Seit 17:45 Uhr stand auch das Groß, und so segelten wir unter Vollzeug in die Nacht. Übrigens fuhren wir auf der ganzen Reise auf Steuerbordbug.

Ich hatte 3 Wachen zu je 3 Personen gebildet, Wachdauer von 07:00 – 19:00 Uhr 4 Stunden, von 19:00 – 07:00 Uhr 3 Stunden. Dieses System hat sich auf langen Strecken, wo mit Segelmanövern bis zum Wachwechsel gewartet werden kann, als angenehmer als das normalerweise praktizierte 2 – Wachen – System, mit 6 Stunden tagsüber und 4 Stunden nachts, erwiesen.

Die Wachen setzten sich wie folgt zusammen:

Wache A: Ich selbst, Heike und Hans

Wache B: Tobias, Claus, Wigand

Wache C: Christian, Igor, Margitta

So., 04.07.04 (Mittagsposition: 39°26,6’ N, 026°56,3’ W)

Nachdem der Wind auf Nord gedreht und auf 4 Bft. zugelegt hatte, wurde um 07:00 die Genua gegen die Arbeitsfock gewechselt und ein Reff ins Groß eingebunden. Um 09:20 wurde das 2. Reff eingebunden, da das erste Reff ausgerauscht war. Hier hatte sich der Achtknoten durch das entsprechende Auge am Großbaum gezogen.

Die Arbeitsfock sollte übrigens ununterbrochen bis zu unserem ersten Ankerplatz in Spanien stehen bleiben, ebenso der Besan.

Mittags drehte der Wind auf NNE und legte auf 6-7 zu, so dass wir das Groß komplett wegnahmen. Auch wurde die See gröber und lag nun bei Stärke 4-5. Der Kurs lag nun bei ca. 100° über Grund.

Abends nahm der Wind auf 4-5 ab, blies aber weiterhin aus NNE. See 4

Mo., 05.07.04 (Mittagsposition: 39°16,0’ N, 024°11,5’ W, Log: 220,3 sm)

Bis Mittag nahm der Wind weiter auf 3 ab, so dass wir das Groß wieder setzen konnten. Zum Abend hin nahm der Wind weiter auf 2-3 ab, so dass wir unter dieser Besegelung in die Nacht segelten.

Di., 06.07.04 (Mittagsposition: 39°41,8’ N, 021°41,1’ W, Log: 346,2 sm)

Wind NE 3, die See beruhigt sich auf 2-3, der Kurs liegt jetzt bei ca. 70° über Grund.

Mittags kurzer Funkkontakt mit der belgischen Segeljacht "Aura", die uns nach dem Wetterbericht fragen.

Mittlerweile hatte sich auch der Magen bei allen stabilisiert und es gab im weiteren Verlauf keine Probleme mehr mit der Seekrankheit.

Ab Mittags bis in die Nacht nimmt der Wind kontinuierlich zu und hat um 22:00 Uhr mit NNW 5-6, in Böjen 7, seine größte Heftigkeit erreicht. Bereits um 19:15 hatten wir das 2. Reff ins Groß gebunden, auch um in der Nacht etwas mehr Ruhe zu haben.

Mi., 07.07.04 (Mittagsposition: 41°36,0’ N, 019°16,6’ W, Log: 508,7 sm)

Um 07:20 wurde das Groß bei weiterhin NNW 5-6 und See 4 ganz geborgen. Die Geschwindigkeit betrug danach aber immer noch gut 7 kn. Außerdem brauchten wir etwas weniger Krängung, da der Generator den ganzen Tag laufen musste.

Kurs jetzt ca. 30° über Grund.

Nachmittags nimmt der Wind auf NNW 3 ab um dann am frühen Abend kurz auf 5 in Böjen zuzunehmen und um Mitternacht wieder auf NNW 2 zurückzugehen.

Um 17:50 Uhr das 2-fach gereffte Groß gesetzt, aber um 19:00 Uhr schon wieder geborgen, da die Krängung für den Generator wieder zu groß wurde. Außerdem erschien eine Geschwindigkeit von 8-9 kn für die Nacht zu unsicher.

Um 22.00 Uhr wurde der Generator wieder ausgeschaltet und somit trat wieder Ruhe an Bord ein.

Do., 08.07.04 (Mittagsposition: 42°34,4’ N, 017°26,7’ W, Log: 606,7 sm)

Um Mitternacht ist ein super Sternenhimmel sichtbar, mit gut sichtbarer Milchstraße über die gesamte Himmelskuppel. Um 00:30 Uhr geht der Mond dunkelrot auf. Wind jetzt N 2, See 1. Um 02:00 wurde überlegt, das Groß wieder zu setzen, da aber das Großfall nicht sichtbar war und die Gefahr bestand, dass es vor die Saling geschleudert werden könnte, wurde darauf verzichtet. Beim Wachwechsel um 07:00 Uhr wurde es dann bei Wind N 3 gesetzt.

Gegen Mittag hat der Wind auf W 1-2 abgeflaut. Zwar konnten wir die Segel jetzt etwas auffieren, wegen des Seegangs musste aber der Bullenstander für das Groß ausgebracht werden.

Gegen Abend nahm der Wind auf WNW 2-3 zu. Da die Wetterkarten für die folgende Nacht nichts befürchten ließen, segelten wir mit Fock, Groß und Besan in die Nacht.

Fr. 09.07.04 (Mittagsposition: 44°02,3’ N, 014°33,2’ W, Log: 774 sm)

Leider erwies sich der Wetterbericht als trügerisch, denn in den Nacht viel das Barometer von bis dahin immer sehr konstant gewesenen 1032 – 1035 hPa auf 1029 hPa um 01:00 Uhr und 1025 hPa um 04:00 und es überraschte uns eine Regenfront mit Böjen aus West 6. Bei halben bis raumen Wind und nun See 3 – 4 hatte der Rudergänger einiges zu tun, Anita auf Kurs zu halten. Es gab zwar einen Kurs, bei dem der Ruderdruck relativ gering war, wich man aber von diesem ab, so kostete es doch einige Kraft, wieder auf Kurs zu gehen.

Die Spitzengeschwindigkeit betrug in dieser Nacht 14 kn, was objektiv gesehen in der Dunkelheit doch zu viel war.

Getreu dem Motto "Wind vor dem Regen, Skipper kann sich schlafen legen" flaute der Wind gegen 07:00 Uhr wieder auf NW 2 ab und der nächtliche Spuk war vorbei. Ab 08:00 hatten wir aber wieder WNW 6, der dann bis zum Nachmittag wieder auf N 2 abflaute.

Um 14:00 drehten wir bei mit der Absicht, im Atlantik baden zu gehen. Da aber der Seegang dann doch zu stark war, war nur Körperpflege an Deck aus der Pütz angesagt.

Um 18:50 Uhr passierten wir ein toten, durch Faulgase aufgequollenen Wal, ca. 20m lang. Der von dem Kadaver ausgehende Gestank war schon eine Meile gegen den Wind wahrzunehmen. Aufmerksam auf das tote Tier wurde ich dadurch, dass sich die Wellen am Horizont Steuerbord voraus etwas seltsam brachen. Da im Wetterfax regelmäßig die Meldung einer "overdue Motoryacht", die von La Coruna zu den Kanaren unterwegs sein sollte, ausgedruckt wurde, drängte sich Anfangs der Verdacht auf, es könnte sich hierbei um ein kieloben treibendes Motorboot handeln. Daher änderten wir den Kurs leicht nach Steuerbord und hielten auf das anfangs unbekannte Objekt zu.

Die weitere Nacht blieb bei NNW 2 und einem KK von 100° ruhig.

Sa, 10.07.04 (Mittagsposition: 44°02,6’ N, 011°49,7’ W, Log: 902,2 sm)

Bis morgens um 05:00 Uhr dreht der Wind auf NNE um dann bei einsetzendem Regen schließlich ganz einzuschlafen: Die erste Flaute auf diesem Törn. Um 06:30 setze aber wieder Wind ein, dummerweise aus der Richtung, in die wir wollen, nämlich aus SE, so dass anschleißend die erste Wende des gesamten Törns gefahren wird. Was ein Segen für die, die an Backbord schlafen! Aber eine halbe Stunde später dreht der Wind wieder auf ENE, so dass die zweite Wende fällig wird. Im Laufe des Tages sollte sich dann der Wind um NE 3 – 4 stabilisieren.

Um 08:30 finden wir uns plötzlich inmitten einer Schule von Walen wieder, die an allen Seiten der Anita vorbeischwimmen. Somit kommen wir in den Genuss einer Whale – watching – tour, und das mit der Anita.

Um 09:00 wird das 2. Reff ins Groß eingebunden und der Generator gestartet, dessen Brummen uns wieder den ganzen Tag begleiten sollte.

Abends war dann ein literarisches Bordfest angesagt. Angeregt durch Christian und unseren Schriftsteller an Bord, Wigand, sollte jede(r) ein Gedicht zum Thema "Auslaufsuppe", die es von Margitta kurz vor dem Auslaufen in Horta gab, abliefern. Es ist doch erstaunlich, wozu Segler alles fähig sind. Anschließend verbrachte die Crew bei Gesang noch eine weitere gesellige Stunde im Cockpit.

 

So, 11.07.04 (Mittagsposition: 43°28,4’ N, 008°49,26’ W, Log: 1045,8 sm)

Gegen Mitternacht kreuzten wir die Schiffahrtsroute der vom Kanal kommenden Schiffe ca. 60 Meilen vor der spanischen Küste. Da wir die ganze Zeit, um Strom zu sparen, ohne Positionslichter gefahren waren, schalteten wir diese erst ein, wenn uns ein anderes Schiff zu nahe kommen sollte oder wenn Kollisionsgefahr bestand. So wie in dieser Nacht, als sich aus MgP 50° ein Licht näherte. Als auch das zweite zu dem Dampfer gehörende Licht auftauchte und sich die Peilung nicht änderte, wurde zuerst "Rot über Grün" im Mast, und als das grüne Positionslicht des Dampfers bei unveränderter Peilung klar auszumachen war, die restlichen Positionslichter eingeschaltet.

Für kurzzeitige Irritation sorgte dann ein plötzlich auftauchendes weiteres Licht voraus, das aussah, als käme uns ein Segelboot unter Spinnaker entgegen, das diesen von innen angestrahlt hatte. In Wahrheit war es aber der aufgehende Mond gewesen, auf den wir hier hereingefallen sind.

Im Abstand con ca. 2 Meilen änderte der Frachter dann ganz klar seinen Kurs nach Steuerbord, um ca. 1 Meile hinter uns zu passieren. Sobald er unsere Kiellinie gekreuzt hatte, wurden die Positionslichter wieder gelöscht.

Um 06:30 erschallte dann der Ruf: "Land in Sicht". Dabei hielten wir auf die Illas Sisargas, bei einem KüG von ca. 95°, zu. Es war sonnig bei einem Wind aus ENE 2 – 3. Um 08:40 wurde das Groß wieder ausgerefft und, da der Wind kurzeitig weiter nach Ost drehte, die 3. Wende gefahren. Nach einer halben Stund aber konnten wir schon wieder auf den alten Kurs, direkt auf La Coruna zu, zurückwenden.

Da wir weit vor unserem Zeitplan lagen, entschieden wir uns dazu, die erste Nacht in der Nähe von El Ferrol, das 10 Meilen entfernt von La Coruna liegt, vor Anker zu verbringen.

So nahmen wir den Kurs auf El Ferrol und drehten gegen 16:00 eine Runde in der Bucht vor dieser Stadt. Da sich in dieser Bucht aber nur Industrie, Kaianlagen und ein Marinestützpunkt befinden, was alles sehr reizlos ist, entschlossen wir uns dazu, westlich vor der alten Festung St. Felipe, an der Nordseite der Einfahrt in einer Ausbuchtung, weit außerhalb des Fahrwassers vor Anker zu gehen. Um 17:00 Uhr fiel dann der Anker auf Pos. 43°27,79’ N, 008°17,14’ W, bei 14 m Wassertiefe, Logstand 1078 sm.

Anschließend war dann Baden angesagt.

Somit waren wir für die Strecke Horta – El Ferrol genau 8 Tage und eine Stunde unterwegs gewesen, dies entspricht einem Schnitt von 5,62 kn.

Mo, 12.07.04 (Mittagsposition: Ankerplatz vor El Ferrol)

Nach dem Frühstück wurden die Uhren wieder auf MESZ, das auch in Spanien amtliche Zeit ist, umgestellt.

So gingen wir um 12:15 Uhr ankerauf, um nur unter Arbeitsfock und Besan und einem Wind aus NE 3 nach La Coruna zu segeln, wo wir um 15:00 Uhr, nach dem zweiten Anlauf und einigen Runden vor der Hafeneinfahrt, unter Segeln bei einem ablandigen Wind aus Nord am Visitors - Ponton der Marina festmachten.

Als wir dann schon einige Zeit dort lagen, meinte einer der auslaufenden Segler, wir hätten ein so schönes Schiff, dass wir eigentlich nur die Hälfte der Liegegebühren zahlen müssten. Mit dieser Aussage sind Tobias und ich dann zum Hafenmeister gegangen und haben dann im Endeffekt noch eine Reduzierung von 10% herausholen können.

Gegen 19:00 Uhr verholten wir uns dann mit Hilfe des Beiboots an unseren endgültigen Liegeplatz in der Marina. Der Logstand betrug dann genau 1088,2 sm.

Di, 13.07.04

Nach dem Frühstück um 09:00 Uhr stand eine Fahrt mit der Alten Straßenbahn, die es als Touristenattraktion gibt, an. Leider mussten wir feststellen, dass diese aber erst ab 12:00 Uhr fährt, und so vertrieben wir uns die Zeit bis dahin mit einem kleinen Rundgang durch die Altstadt und entlang der Uferpromenade.

Mit der Tram fuhren wir dann zum Torre de Hercules, dem ältesten noch funktionierendem Leuchtturm der Welt, denn dessen Wurzel gehen noch auf die Römer zurück.

Von da aus ging es dann zu Fuß zum Meeresaquarium, dem wir einen Besuch abstatteten. Leider muss man sagen, dass man hier nicht auf ausländische Touristen eingestellt ist, denn alle Erklärungen gab es nur in Spanisch.

Ein Teil der Crew ging von da aus zu Fuß weiter, der Rest der Crew fuhr mit der Tram entlang der Küste weiter zur Endstation. So erkundeten wir in kleine Gruppen die Stadt und trafen uns erst abends an Bord wieder.

Mi, 14.07.04

Für diesen und den nächsten Tag mieteten wir uns einen Kleinbus für 9 Personen, als dessen Fahrer sich Claus zur Verfügung stellte.

An diesem Tag sollte es nach Santiago de Compostella gehen, dass ca. 60 km von La Coruna entfernt liegt. Christian blieb an Bord, da er die Stadt schon von seinem letzten Törn nach Vigo her kannte. Überraschender Weise blieb Hans auch an Bord, denn dieser wollte aus einer Laune heraus an diesem Tag sogar auf eigene Faust schon abreisen. Irgendetwas hatte er in den falschen Hals gekriegt und war beleidigt. Durch gutes Zureden konnte aber erreicht werden, dass er an Bord blieb.

So besuchte also der Rest Santiago de Compostella, den nach Rom und Jerusalem wichtigsten Pilgerort der katholischen Kirche. Über eine gebührenpflichtige Autobahn ist die Stadt gut zu erreichen. Wir besuchten die Cathedrale und sahen uns die Stadt an.

Nachmittags ging es dann weiter nach Corrubedo, wo es einen Naturpark mit einer großen Sanddüne und einen schönen Strand gibt. Hier blieben wir ca. 2 Stunden und gingen dabei auch baden. Leider hat das Wasser hier aber nur eine Temperatur von ca. 15°C, so dass längere Aufenthalte im Wasser nicht ratsam sind.

Vo da aus fuhren wir dann entlang der Küste nach Noia, dort aßen wir zu Abend. Anschließend ging es über Santiago de Compostella wieder zurück nach La Coruna.

Do, 15.07.04

Über die Autobahn ging es bis Carballo und von dort über Landstraßen weiter bis ans berühmt – berüchtigte Kap Finisterre.

Von dort aus ging es zurück in die Nähe von Cee, wo wir direkt hinter dem Strand uns unter schattigen Bäumen zum Picknick und zur Mittagsruhe niederließen. Allerdings war hier der Atlantik noch kälter als gestern, denn zumindest mir taten schon die Beine weh, wenn man im Wasser stand. Dafür war dann der Sand so heiß, dass man kaum darauf barfuss laufen konnte.

Anschließend fuhren wir nach Norden zum Fischerort Laxe, wo wir zu Abend aßen.

Fr, 16.07.04

Dieser Tag stand jedem individuell zur Verfügung, um noch z.B. Kleinigkeiten für die Lieben zuhause zu besorgen.

Ab 15:00 Uhr war dann Aufklaren und Reinemachen angesagt. Das Liegegeld für 5 Tage wurde bezahlt und über den Hafenmeister 3 Taxen für den nächsten Tag um 06:45 Uhr geordert.

Abends fand dann das Skipperessen in einer Jamoneria, einer sehr urigen Kneipe mit angeschlossener Metzgerei (oder umgekehrt), in der die Schinken von der Decke hängen, in der Altstadt von La Coruna statt.

Sa, 17.07.04

Pünktlich um 06:45 Uhr kamen die 3 bestellten Taxen, mit denen wir dann für jew. 14 € zum Flughafen von La Coruna fuhren.

Der Marinaverwaltung war bekannt, dass die Anita nun einige Tage unbemannt dort liegen würde, sie versicherten uns, ein Auge auf das Schiff werfen zu wollen. Wir hinterließen die Anita gut festgemacht an ihrem Liegeplatz an einem Schwimmsteg. Da auch in den Nachtstunden, wenn das Hafenbüro nicht besetzt ist, eine Wachmannschft anwesend ist, konnten wir die Anita bis zu Eintreffen der Nachfolgecrew am 22.07.04 guten Gewissens zurücklassen.

Nach dem Einchecken frühstückten wir in aller Ruhe am Flughafen, um dann um 08:30 Uhr mit einer 19-sitzigen Beechcraft 1900 D der Air Portugalia nach Lissabon zu fliegen, von wo aus um 14:30 Uhr der Heimflug nach Frankfurt stattfinden sollte. Die Zeit zwischen dem Eintreffen des Fliegers aus La Coruna um 09:00 Uhr Ortszeit und dem Abflug vertrieben sich Tobias, Christian, Igor und ich am Flughafen, u.a. mit Skatspielen, während der Rest kurz nach Lissabon fuhr und dort u.a auch das Grab des englischen Schriftstellers Henry Fielding besuchte.

Mit ca. einer halben Stunde Verspätung startete dann der Flieger nach Frankfurt, wo er aber Dank Rückenwindes, aber nach einem stellenweise etwas holprigem Flug relativ Pünktlich gegen 18:30 Uhr landete.

Nach einer kurzen und herzlichen Verabschiedung nach der Gepäckausgabe trennte sich dann die Crew, um individuell die jeweilige Heimreise anzutreten

 

 

Klaus Detmann, 15.08.04