Törnbericht A9 / 2005 Skipper Peter Eider
Bericht über den Törn 9/2005 vom 06.08. bis 19.08.2005 mit der Segelyacht Anita
Wir übernahmen das Schiff vereinbarungsgemäß am Samstag, 06.08.2005, morgens
um 8.00 Uhr von Peter Fiegel in Hirtshals, wo wir in einer öligen, tranigen Brühe im
auflandigen Hafenbecken lagen. Wir verholten das Schiff zunächst einmal an einen
Lee-Kai, um uns für den Törn vorzubereiten.
Am nächsten Tag ließen wir uns von einem Fischer aus dem Hafen auf die offene
Nordsee schleppen. Es herrschte zunächst nordwest 6, der auch die nächsten Tage
sich nicht ändern sollte. Deshalb segelten wir zunächst zum Horns-Rev und in den
Hafen von Esbjerg. Die Hafeneinfahrt von Esbjerg ist eine sehr komplizierte, gebag-
gerte Rinne, die wir um Mitternacht durchsegelten und die ANITA nach Absprache
mit dem Hafenmeister zunächst im Hafen Nr. 2 festmachten. Am nächsten Morgen
verlegten wir in den Hafen Nr. 3, wo wir kostenlos mit Frischwasser und Strom ver-
sorgt werden konnten.
Am Mittwoch machten wir einen Hafentag in Esbjerg und ließen uns am Donnerstag
morgen von einem Schlepper bis zur gebaggerten Rinne schleppen, die wir dann
bei halbem Wind durchsegelten und danach bei nordwest 5 bis 6 vorbei an Helgo-
land nach Bremerhaven segelten. In Bremerhaven gingen wir sofort in die Schleuse
und belegten den uns zugewiesenen Liegeplatz morgens um 3.30 Uhr.
Am Freitag kamen verabredungsgemäß einige Ehefrauen der Mitsegler sowie Gäste
an Bord und wir segelten dann am Samstag für etwa 4 Stunden mit 11 Gästen vor
Bremerhaven gegen leichten Wind und viel Strom, was unseren Gästen sehr viel
Freude bereitete. Danach gingen wir wieder durch die Schleuse auf unseren Liege-
platz, da wir am nächsten Tag an der Parade teilnehmen sollten. Da an diesem Tag
vorhersagegemäß kein Wind war, sondern bis ca. 14 Uhr nur strömender Regen,
beschlossen wir, das Schiff im Hafen liegen zu lassen und die Parade von Land aus
anzuschauen. Diese Entscheidung haben wir nicht bereut, da eine Stunde vor Beginn
der Parade der Regen aufhörte, jedoch kein Wind aufkam. Die Flotte motorte mit ge-
setzten Segeln gegen den schwachen Wind.
Am Montag legten wir dann bei leichtem Westwind ab und segelten zunächst
nach Nordenham zur Firma Midgard, um den dort deponierten Wein abzuholen.
Diese Gelegenheit nutzte ich zur Einladung meiner Geschäftsfreunde an Bord.
Danach segelten wir zur Reede Blexen und gingen vor Anker, um ablaufendes
Wasser abzuwarten. Glücklicherweise drehte der Wind für kurze Zeit auf west/
südwest, so dass wir gerade ebenso anliegend und mit zwei Kreuzschlägen
aus der Weser heraussegeln konnten. Wir erreichten Helgoland um 16.00 Uhr,
wo wir mit Beiboot-Unterstützung im Hafen festmachten. Erfreut darüber, dass
die ANITA wieder einmal da war, besuchte uns kurz danach die Besatzung des
Tochterbootes des Rettungskreuzers.
Am Mittwoch war Hafentag in Helgoland. Am Donnerstag segelten wir eine Fast-
runde um Helgoland und dann bei südost mit teilweise Ostwind in Richtung Ziel
Cuxhaven. Etwa 5 Meilen vor Cuxhaven legten wir uns auf die Reede Neuwerk,
um wieder einlaufendes Wasser abzuwarten. Beim Ansteuern dieser Reede in
der Nacht hatten wir eine leichte Grundberührung im Sand; das auflaufende
Wasser schob uns jedoch sofort wieder frei. Am Freitag, dem 18.08.2005, ging
es Anker auf und wir kreuzten durch das Fahrwasser der Elbe bis in den Hafen
von Cuxhaven. Dort verlegten wir das Boot durch die Schleuse in den neuen
Fischereihafen am Niedersachsenkai und bestellten den Wasserwagen, der
Frischwasser hier nur gegen Gebühr abgibt. Im allgemeinen kann gesagt wer-
den, dass wir mit unserem Schiff ohne Maschine auf immer mehr erstaunte
Gesichter gestoßen sind, und zwar bei Offiziellen, wie Hafenmeister, Schleu-
senwärter und Schifffahrtsbeauftragte, die uns sagten, dass wir in den Häfen
und auch z. B. bei der Sail in Bremerhaven eher als Schiffshindernis ange-
sehen werden. Es ist abzusehen, dass es bald verboten wird, ohne Maschine,
also nur unter Segel in den Hafen einzulaufen. Das sollten wir im Auge behal-
ten. Die Reise endete am Freitag um 17.30 Uhr nach 330 Seemeilen, alles
ohne Maschine und auch ohne Beibootschlepp.
Mainz-Kostheim, 24.08.2005