16. Juni

Impressionen vom Malstrom

Impressionen vom Malstrom

Was ist das Schönste auf der Welt? Wenn die Anita nach durchsegelten stürmischen Nächten im Hafen auch mal Stille hält, man waagerecht schläft und senkrecht steht und nicht wie ein Affe an Handgriffen durch Anita segelt.

Doch schon nach ein, zwei Tagen drängt es wieder hinaus, auf‘s freie Wasser, mit Sturm und Gebraus, neuen Zielen entgegen, unter Fock, Groß und Besan. Alle Wachen und der Skipper sind o.k., von Kristiansund über Bodø bis Tromø.

Lutz

Der Morgen begann mit einem ausgiebigen Frühstück und der Abstimmung für den Tag. Der erste und auch wichtigste Punkt war, vom Hafenmeister einen günstigeren Liegeplatz zu bekommen und Auskunft über eine Duschmöglichkeit zu erhalten. Zu unserer großen Freude bekamen wir einen Platz an einem Schwimmponton. Unvermittelt rief Skipper Helmut die Besatzung an Deck zusammen. Es tat sich ein neuer Tagsordnungspunkt auf, die Polartaufe. Jeder bekam einen zu ihm „passenden“ Namen und eine kleine Dusche mit dem gebunkertem Wasser von der Polarkreisgrenze. Erst danach erfolgte das Verholen der Anita zum Ponton.

Wir hatten bisher noch nicht viel von Norwegen gesehen. Die Crew teilte sich. Es entschloss sich ein Teil zu einem Ausflug zum Saltstraum, der südöstlich von Bodø liegt. Der andere Teil wollte sich Bodø ansehen oder einfach nur die Beine hochlegen und sich erholen.

Impressionen vom Malstrom

Impressionen vom Malstrom

Über die Touristikinformation hatten wir uns inzwischen die Informationen besorgt, um mit Bus einen Ausflug zum Straum zu machen. Busabfahrtszeiten und die Zeiten mit der stärksten Gezeitströmung waren ermittelt. Mit dem Nordlandsbuss umrundeten wir den Salt­fjord und erreichten am Nachmittag das Gebiet des Straum, etwa eine Stunde bevor der Strom seine stärkste Ausprägung hat. So stand uns viel Zeit zur Verfügung, um das Gebiet in Ruhe zu betrachten. In einer Karte waren einige Aussichtspunkte vermerkt, von denen ein guter Blick auf das Geschehen möglich ist. Diese klapperten wir erstemal der Reihe nach ab.

Auf der Suche nach einem guten Standort für ein Foto durchstreifte ich langsam das Gebiet um den Straum und beobachtete die Angler bei ihrer Jagd nach dem „größten“ Fisch. Wenn man auf den Parkplätzen die Nummernschilder der Autos und Wohnmobile sah, merkte man schnell, dass der Saltstraum ein international gefragtes Angelrevier ist.

Fischerhütte direkt am Ufer des Saltstraum nahe des Malstroms

Fischerhütte direkt am Ufer des Saltstraum nahe des Malstroms

Zurück im Hafen begannen die Vorbereitung für das Abendessen. Wir lagen fest am Kai und konnten so ordentlich kochen und anschließend bei etwas Bier und Wein noch erzählen oder eigenen Gedanken nachgehen.

Am Abend kamen wir mit dem Eigentümer eines ebenfalls am Schwimmponton liegenden norwegischen Motorbootes ins Gespräch. Stolz berichtete er uns, dass dieses eines von ingesamt drei Pontons ist, die von deutschen Truppen im letzten Krieg gebaut worden waren. Diese stellen heute gern gewählte Anlegeplätze dar, da sie sich noch in sehr gutem Zustand befinden und die einzige Möglichkeit sind, ohne den Gezeitenhub zu beachten, im Hafen zu liegen und den Ort trockenen Fußes zu erreichen.

Roger