Nach geordneten, vor Erfahrung strotzenden Weltmeerseglern geführten Erörterungen kam man in der Crew zum einstimmigen Beschluss, wobei uns die Einstimmigkeit mal so manches Beschlussgremium nachmachen müsste, nicht im Hafen den nicht mitsegelnden besseren Hälften nachzutrauern, sondern nach dem Frühstück, den Aufräumarbeiten und dem nötigem Einkauf, man höre, zu segeln. Also wurde gesegelt. Das Wetter spielte mit. Zwar etwas frischer, aber Sonne und guter Wind waren vorhanden. Mir werden beim Schreiben dieser Zeilen die Finger kalt und man sieht den Atem – frische Luft pur.
Einkäufe – auch was fürs Heizen – sind erledigt und schnell ist die Anita seeklar. Auf geht es! Ob dem Skipper wohl heute ein Boje-Über-Bord Manöver auf Anhieb gelingt? Seine Erläuterungen des Manövers wurden aufmerksam von uns studiert und praktisch realisiert.
Wir legten gelungen ab und zeigten Bodø wie ein deutsches Schiff segelt. Die Anita spiegelte sich in der Glas-Fassade von Bodø Radio wider. Nach anfänglichen Mühen wurde auch das Großsegel gesetzt und durch die Hafenzufahrt ging es hinaus. Plötzlich kam das Fährschiff „Richard With“ und fuhr in norwegischer marinebewusster Sicherheit seinen Kurs. Unsere Bemühungen für eine freundliche Kursabstimmung über Funk wurden ignoriert. Also machte Anita eine inzwischen fast perfekte Wende, um die seemännische Würde zu bewahren.
17 Uhr MOB-Manöver wie es uns von Helmut erklärt wurde
Nun übten wir für die lofotische Durchfahrt MOB-Manöver, Wenden, Beiliegen und Navigieren. Da musste nur noch Achim als nachfolgender Skipper von unseren guten seemännischen Fähigkeiten überzeugt werden, hatten wir doch mit Helmut einen guten Lehrer, damit wir uns zu den Lofoten aufmachen konnten.
SITUATION
Wind mit circa 1 Bft. westlich, Anita mit Dingi auf Steuerbord
ZIEL
Anita soll rückwärts mit der Steuerbord-Seite auf der Luv-Seite eines Schwimmpontons „eingeparkt“ werden. Die Größe des Pontons ist circa 1 Schiffslänge in Nordwest-Südost-Richtung und circa ¼ Schiffslänge quer dazu.
AUSFÜHRUNG
Anita nähert sich der Kopfseite des Pontons mit viel weniger als 1 Kn Geschwindigkeit und dem Ziel, im Vorbeifahren einen Mann mit der Heckleine auf dem Ponton abzusetzen.
Der Mann sichert die Leine, belegt aber noch nicht und lässt das Schiff nach circa 4 bis 6 m vorbeifahren. Dann wird die Anita aufgestoppt. Durch Straffung der asymmetrisch auf der Steuerbordseite angebrachten Leine bringt man die Anita zum Stehen und gleichzeitig schwenkt das Heck nach Backbord. Anita wird mit der Heckleine an dem Ponton und rückwärts gezogen (Fender), wobei das Dingi von Backbord-Seite den Bug gegen das Ponton drückt.
Festmachen, Ende!
Achtung, Fototermin! Roger, Nathanael und Hans-Peter gefolgt von Gernot halten die Anita als Fotomodell vom Dingi aus fest. Wunderschöne Landschaft begleitet uns, genauso wie bestes Segelwetter. Danach Flaute, anstatt Wind geleitete uns das Dingi zurück zum Anleger.
Anita im Saltfjord
Nach dem schönen Segeltag auf dem Saltfjord begrüßten uns heute die Lofoten mit einem Landregen. Tief hängende Wolken bildeten ein herrliches Panorama, das sich von See her näherte und schnell ganz Bodø einschloss.
Da an diesem Tag der zweite Wechsel in der Crew stattfinden sollte, war es ein Hafentag. Gestern Abend kam bereits Martin an. Er teilte sich den Platz mit Nathanael und begleitete uns auf der zweite Törnhälfte.
Einige Crew-Mitglieder entschieden sich für einen Bummel durch die Stadt Bodø. Wir besichtigten das Nordlandmuseum. Es zeigt die Entstehung der Stadt und gibt Einblicke in das Leben der Fischer und Samen im hohen Norden. Am Nachmittag ging es auf eine kleine Wandertour in die umliegenden Berge. Das Ziel, das Rønyikfjellt, ist ein beliebtes Ausflugsziel der Bevölkerung von Bodø.
Den Tagesabschluss bildete ein opulentes Essen unseres Smutjes, Nathanael. Aus den vorhandenen Gemüsevorräten, etwas Fleisch und Reis zauberte er ein wohlschmeckendes Abendessen.
An diesem Abend traf der zweite Neue, unsere Skipperablösung Achim, ein und brachte sich in gute Erinnerung mit einer guten Flasche Rum.