Die SKO hat für die Saison 2006 eine große Nordlandkette über
Spitzbergen, Grönland und Island vorbereitet. Wir haben dafür den
ersten "Zubringertörn" bis Skagen übernommen. Wenn auch die Wetterberichte
Anfang Mai wegen der anhaltenden Kälte, besonders wegen der noch sehr kalten
Wassertemperaturen in der Ostsee zunächst nicht so rechte Lust aufkommen ließen, stimmte
uns die Wettervorhersage für unseren Reisetermin dann doch optimistisch. So segelten wir
schließlich am Vormittag des 07.05. gemächlich über die Kieler Förde, erreichten am
Nachmittag den Eingang des Kleinen Belt und beschlossen vor Einbruch der Dunkelheit im
Landschlitz vor dem kühlen Nordost im Lyö Krog Sund Anker zu werfen, um am nächsten Tag
die Durch fahrt durch den landschaftlich schönen Kleinen Belt zu genießen. Die doch
schon betagtere Crew brauchte zudem die nächtliche Ruhe zur physischen und psychischen
Eingewöhnung in das ungewohnt einfache Bordleben auf dem inzwischen 68 Jahre allen,
spartanischen Zwölfer. Am nächsten Morgen erfreuten wir uns an der saftig grünenden
Uferlandschaft der dänischen Inseln zu beiden Seilen des Belt. Bei glattem Wasser
erreichten wir mit wenigen Kreuzschlägen Middelfart. Unter den beiden Brücken drückten
uns einige Fallböen auf die Seite. Nach Passieren von Fredericia hatten
wir gehörig Gegenstrom und erreichten schließlich in der Abenddämmerung einen weiteren
Ankerplatz, südlich eines Wäldchens bei Louisenlund auf der Insel Endelave. Inzwischen
hat sich die Bordroutine eingestellt. Ankerwache wie üblich.
Nach erholsamer Nacht legte der Nordost auf 4 bis 5 Bf zu. Wir mussten kreuzen. Mit einem
Reff im Groß können wir unser Mittagessen kochen. Regelmäßige Mahlzeiten sind wichtig
für die Crew. Bald kann das Reff ausgeschüttet werden. Der Wind lässt nach. Wir
beschlossen unser Tagesziel Anholt fallen zu lassen und zunächst Grena anzusteuern. Die
letzten Meilen ziehen sieh und bei wärmender Sonne spielt sich das Bordleben an Deck ab.
Obwohl Tiefe von Hafeneinfahrt und Hafen nach offiziellen Angaben ausreichend sind,
bekommen wir unmittelbar in der Einfahrtsrinne Grundberührung. Gleichzeitig trifft der
Bagger ein, der die offenbare Versandung beseitigen soll. Dieser schleppt uns zunächst
einmal frei, ehe er mit den Baggerarbeiten beginnt. So liegen wir schließlich am Abend an
der Pier des Nordhafens. Nach üppigem Abendessen stehen uns die Versorgungsanlagen des I
Hafens zur Verfügung, die von der Crew von 10 Seglern auf einem Schiff ohne fließend
Wasser und mit nur einem Pumpklo freudig in Anspruch genommen werden. Wir lassen
uns reichlich Zeit und genießen die warme Morgensonne, ehe wir das Schiff drehen und
danach mit dem Beiboot aus dem Hafen schleppen. Südlich vom Kalkgrund setzen wir Segel
und erreichen nach gut 5 Stunden die kleine, unter Naturschutz stehende Düneninsel
Anholt. Jeder ist gespannt auf die breiten Sandstrände und die reizvolle
Dünenlandschaft. In den kleinen Wäldchen finden wir duftenden Waldmeister und freuen uns
über die bunten Frühlingsblumen. Von einem Fischer kaufen wir einen Tigerfisch" und
Taschenkrebse, ein köstliches Abendessen mit unserem Rheingauer Riesling. Unser nächstes
Ziel sind die Schären nördlich von Göteborg mit zahlreichen engen Durchfahrten,
Untiefen und den bunten Häuschen, die sich in sonnigen Buchten auf den Felseneilanden
zusammenducken.
Zunächst aber müssen wir aus dem kleinen Hafen von Anholt gegenan hinauskreuzen, dann
die gelb-schwarz-gelbe Westtonne an der Nordspitze des gefährlichen N V Rev erreichen, um
schließlich, den großen Spi zu ziehen, der uns rasch in Sichtweite der schwedischen
Küste bringt. Leider schläft der Wind dann mehr und mehr ein. Erst bei Dunkelheit
fädeln wir uns in den mittleren Ansteuerungsweg nach Göteborg ein. Jetzt segelt
es sich wie auf einer beleuchteten Autobahn. Leider müsse wir im Morgengrauen das Beiboot
als Schlepphilfe benutzen und erreichen kurz nach 0600 Uhr den kleinen Veteranenhafen
gleich hinter der großen Autobrücke um uns mit Seekarten der nördlichen Schären zu
versorgen. Nach knapper Ruhepause setzen wir unsere Reise am Nachmittag fort. Zunächst
müssen wir aufkreuzen bis wir zwischen Björkö und Hanö unseren Kurs nach Nord richten.
Am Abend erreichen wir Marstrand mit seiner gewaltigen Burganlage. Nach einem
Inselspaziergang setzen wir am nächsten Mittag unsere Reise fort. Schließlich ist morgen
Muttertag, der 14.05. Also bleibt die Bordküche kalt. Wir lassen uns in dem gemütlichen
Restaurant Petersens Krog auf der kleinen Insel Karingön verwöhnen. Unser nächstes Ziel
Smögen ist wiederum nicht weit entfernt - wir können uns eine Mittagsruhe in Lysekil
gönnen und dort köstlichen Fisch für das Abendessen einkaufen. Bei unserem obligaten
Inselrundgang besteigen wir den hölzernen Aussichtsturm und bekommen so einen herrlichen
Rundblick über zahllose kleine Inseln und Felsrücken, die sieh im strahlenden
Sonnenschein präsentieren. Unser Tagesziel Smögen erreichen wir am frühen Abend, früh
genug für einen ausgiebigen Landgang durch die an die Felswand angeklebten
Fischerhäuschen.Der Wind soll auf West drehen. Wenn wir etwas weiter nach Norden gehen,
könnten wir die Nordspitze Dänemarks vielleicht anliegen. So ist unser nächstes
Zwischenziel Grebbestad. Der benachbarte kleine Hafen von Kamperöds Vik ist allerdings
viel romantischer und ohne Industrie. Also korrigieren wir unseren Kurs dorthin. Auf dem
Weg liegt der enge Hamburgsund, eine Herausforderung für unsere ANITA. Bei
west-süd-westlichen Winden können wir es wagen. Im Bereich der Fähre ist segeln
verboten. Wir bergen kurz das Groß und lassen uns vom Beiboot helfen. In Kamperöds Vik
ist der Anlegesteg sehr hoch, so eröffnet unser "Springer" unfreiwillig die
Badesaison ehe er die I.einen annehmen kann. Nach ruhiger Nacht laufen wir schon früh aus
dem kleinen Fjord direkt auf das Skagerak. Der Wind dreht nach Ost. Wir können mittags
den Spi setzen, aber leider nur wenige Stunden. Nachts schläft der Wind
ein, eine Wetteränderung kündigt sich an. Von Mitternacht bis zum frühen Morgen
schaffen wir gerade mal 10 Seemeilen und das in der belebten Schiffahrtsstraße nördlich
von Skagen. Mit Hilfe unseres Beibootes erreichen wir schließlich kurz vor 0600 Uhr den
Altern Hafen von Skagen und machen an der Gammle Pier vor den roten Fischerhäuschen fest.
Bis heute hat das Wetter gehalten.
Eine schöne, erholsame Reise ohne Starkwind oder Sturm mit vielen Hafenmanövern liegt
hinter uns. Hier wird die motorlose 12 m R Yacht ANITA an unsere Nachfolgecrew übergeben.
Die Logge zeigt einen Reiseweg von etwa 500 sm.
Die Crew: Klaus Adler, Henning Fiegel, Inge Fischer-Schmidt, Horst
Klinkhart, Karl Korner, Dietmar Lotz, Martin Lutz, Gisela und Dieter Volz und Peter
Fiegel.