Törnbericht
ANITA-Törn A5/07, 17.Juni bis 1. Juli 2007
Skipper Tobias Simon

Die geplante ANITA-Reise beginnend südlich Stockholm von Nynaeshamn durch die Stockholmer Schären zu den Aarland-Inseln, in den südlichen Bottnischen Meerbusen bis zum Endhafen Tallin in Estland wurde im Frühjahr 2007 durch die Nachricht, dass der Vortörn wegen mangelnder Mitsegler ausfällt, schnell umgestoßen.
Wenige Wochen später ereilte uns die nächste Hiobsbotschaft. Auf ANITA hatte es gebrannt. Wie sich später herausstellte wurde von Brandstiftern mittels Brandbeschleuniger der Niedergang stark in Mitleidenschaft gezogen.
Um die nachfolgende Törnkette von Tallin über St. Petersburg und die Teilnahme am Tall Ship Race weiter einhalten zu können, wurde ANITA mit viel Engagement seitens der Werft Yachtwerft Glückstadt und der SKO zum 13. Juni für die Überführung nach Laboe in einen segelfertigen Zustand gebracht.
Die Absprachen untereinander mit welchen, besonders technischen, Veränderungen ANITA auslaufen wird, hatten mich bis wenige Stunden vor meiner Abreise nach Laboe in Atem gehalten.
Dank guten Wetters mit allgemein mäßigen Windstärken aus den für unsere Route perfekten Richtungen und angenehmen Temperaturen konnte diese Strecke auch mit ein paar Zwischenstopps in den 2 Wochen zurückgelegt werden.
Durch die Widrigkeiten vor und während unserer Reise sehe ich diesen Törn als einen Zubringertörn, um die folgende Törnkette aufrechterhalten zu können.
Der Erfolg war neben der sehr gut zusammenarbeitenden Crew auf das für uns gute Wetter zurückzuführen. Vergleichsweise wären wir im April oder Mai wahrscheinlich nur bis Stockholm gekommen.
Entspannend oder gar erholsam darf dieser Törn jedoch nicht bezeichnet werden. Dazu saß uns die Zeit, der Vorbereitungsstress bis zur letzten Minute und die viele Arbeit die ganze Zeit zu sehr im Nacken.
Mein besonderer Dank gilt meiner Crew. Jeder hat sich sofort und nahtlos in das Crewleben eingefunden. Jeder Einzelne hat durch seinen eigenen Einsatz und Rücksichtnahme in der Crew diesen Törn zu einem erfolgreichen Abschluss geführt.

Ich möchte mich als Skipper bei jedem Einzelnen herzlich bedanken.

Mit jedem von Euch segele ich mit Freuden gerne wieder.

Reiseverlauf:

Mit meinem Eintreffen in Laboe mit 4 Mitseglern begann für uns die Arbeit vor Ort. Arne Krogmann, von der SKO beauftragt für die elektrischen Geräte, kam freitagnachmittags und arbeitete gemeinsam mit uns bis spät in die Nacht. Am Sonntagvormittag waren ANITA und die mittlerweile vollzählige Crew soweit klar, dass wir auslaufen konnten.

Das in weiter Ferne liegende Ziel Tallin ließ uns schnell Richtung Fehmarn aufbrechen. Das Wetter zeigte sich bei uns nach einem verrückten Frühjahr von seiner äußerst angenehmen Seite. Winde aus Süd und West bis 4 Bft. ermöglichten uns gute Etmale in die richtige Richtung. Vorbei an Fehmarn, Gedser Rev umfahrend, Moen mit Klintholm an Backbord lassend, zwischen der Südspitze Schwedens und Bornholm durchsegelnd, Utklippan südlich von Karlkrona umrundend, in den Kalmarsund nach Kalmar. Leinen fest im Gamla Hamnen von Kalmar am Mittwoch um 08:25 Uhr.

Zwischenzeitlich durften wir herrliches Spinnakersegeln, mehrere Fockwechsel und auch Flaute durchleben. Leider waren wir auch ständig mit Reparaturarbeiten beschäftigt. So fiel nach einem Tag das Tochtergerät des GPS aus, das Sumlog stellte sich auf Null zurück, wenn z.B. die Batterie umgeschaltet oder der Instrumentenschalter betätigt wurden. Die Einstellungen des GPS sollten auch nicht verändert werden, da ein plötzlicher Ausfall keine Freude aufkommen ließ.

Es folgten natürlich Besichtigungen des Schlosses und der Altstadt, sogar mit Orgelkonzert in der Kathedrale. Zwei Mutige waren an einem nahe gelegenen Strand schwimmen.

Wegen Flaute legten wir erst gegen Mittag des nächsten Tages wieder ab. Durch die Kalmar-Sund-Brücke an Skaeggenaes vorbei, weiter die Bla Jungfrun passierend, die Nordspitze Oelands rundend weiter nach Visby auf Gotland. Nach kurzem Umlegen der ANITA in den Sportboothafen am Freitagmorgen erfreuten wir uns zusammen mit den Einwohnern auf einem Sommerfest.

Eine Busrundfahrt mit Besuch einer Tropfsteinhöhle und einem Wikingerdorf rundete den nächsten Tag ab.

Noch am selben Tag machten wir ANITA schnell klar zum Auslaufen – die Zeit drängte. Erst jetzt, nach einer Woche unterwegs, waren wir in der Höhe, die wir ursprünglich als Törnbeginn vorgesehen hatten.

Fast mit direktem Nordkurs wollten wir in die südlichen Schären von Stockholm einlaufen. Die Nacht bescherte uns viele Stunden Flaute, trotzdem erreichten wir am Sonntagnachmittag die Einfahrt in die Schären. Der Wetterbericht mit dem seit ein paar Tagen wütenden Sturm-/Orkantief an der deutschen Küste sollte uns in den nächsten Tagen Winde mit 6-7 Bft., in Böen 8-9 Bft. bringen. Wir legten uns in der Bucht von Torsnäesudd vor Anker. Die Ankerwache notierte regelmäßig Wind 0, See 0, Peilung steht, keine Vorkommnisse.

Nächster Morgen Anker auf, durch die Schärengewässer nordöstlich haltend, nördlich die Jungfrufjaerden passierend, die Ingaroe Fjaerden querend, den Naemdoefjaerd nördlich folgend, Kanholmsfjaerden querend, in den Sandoefjaerden nördlich der Insel Vindoe aufkreuzend, zum Abend in einer winzigen, von allen Seiten völlig geschützten Bucht Barnviken auf Vindoe an zwei Ankerbojen festgemacht. Zum Schwojen war kein Platz.

Der Buchtdurchmesser war ca. 0.5 Kabellängen mit einer Einfahrt kleiner 18 Meter Breite. Die angekündigten stürmischen Winde konnten wir zum Glück wieder nicht bestätigen. In unserem Hurrican Hole ist bis auf Sonne nichts zu merken.

Die Reparaturen reißen auch nicht ab, so ist z.B. ein Pin der Steckerverbindung des UKW-Gerätes im Cockpit abgebrochen.

Nächsten Vormittag verlassen wir die malerische Bucht, segeln durch den Sandoefjaerden, südlich des Rindafjaerden in den Vesta Saxafjaerden an der Insel Betsoe vorbei Richtung Timraroeren in das Nordfahrwasser von Stockholm mit Richtung Kappelskaer. Nach Passieren des nordöstlichen Fahrwasserleuchtturms Remmargr Nord und Tjaerven nehmen wir Kurs auf die Aarlandinseln.

Die ca. 20 sm freie See zwischen den Inselgruppen legten wir mit Geschwindigkeiten zwischen 7 und 9 Knoten zurück. Das Einlaufen nach Maarianhamina erwies sich bei bedecktem Himmel gegen 2 Uhr morgens als recht schwierig. Der Wind ausnahmsweise direkt von vorn und die vielen nicht in den Seekarten verzeichneten Seezeichen ließen uns bei allen drei Fahrwassern ablaufen. In den frühen Morgenstunden, nach einigen Ausweichmanövern für die unzähligen Fähren kreuzten wir durch die südliche Einfahrt vorbei an der Pommern in den Yachthafen Svibyviken. Um 8.00 Uhr am Mittwoch legten wir breitseits am Stegkopf an. Der erste und letzte Tag mit stundenlangem Regen.

Neue Arbeiten mit Reparaturen folgten.

Die letzte Etappe von ca. 170 sm nach Tallin begann am Donnerstag kurz vor Mittag.

25 Stunden später liefen wir am Freitag in den Olympiahafen Pirita von Tallin ein.

Unsere zusammengerechnete, durch mehrfaches Rücksetzen verursachte Logge, ergab 801 sm beginnend in Laboe.

Dabei konnten wir die ganze Strecke immer direkt anliegen und brauchten bis auf eine handvoll Kreuzschlägen in den Schären keine Meile zusätzlichen Weges segeln.

Tobias Simon, Skipper des ANITA-Törns A05/07