Anitareise A7/2007vom 15. 7. bis 8.8.2007
Teilnahme am Baltic tall ships race 2007
Skipper Dr. Eckhardt Starke

Die Organisation Sail Training International führte vor 51 Jahren zum ersten Mal die tall ships races durch als Ehrung für die noch verbliebenen Großsegler und in der Einschätzung, das derartige Großseglerregatten in Zukunft nicht mehr möglich seien. Inzwischen erfreut sich dieses Ereignis im 51-zigsten Jahr einer wachsenden Beliebtheit.

Es gliedert sich in drei Abschnitte mit jeweils einer Regatta zu Beginn und am Schluss und einem gemeinsamen Abschnitt als cruise in company. In 2007 begann die Reise in Arhus und führte als race I nach Kotka, 200 km östlich von Helsinki. Über den gemeinsamen Abschnitt von dort an der finnischen Küste entlang über Mariehamn nach Stockholm. Hier begann das race II und endete in Stettin.

   

Voraussetzung zur Teilnahme ist neben einer Mindestgröße der Schiffe eine Besatzung, die sich mindestens zur Hälfte aus jungen Seglerinnen und Seglern unter 26 Jahren zusammensetzt.

Wir übernahmen die Anita am Sonntag, den 15. 7. in Helsinki. Nach Verproviantierung verließen wir am Dienstag, den 17. 7. den Hafen unter Segeln, teilweise mit Kreuzschlägen aus der Bucht. Bei Winden mit 3 bis 4 Bft. aus südwestlichen Richtungen, später abnehmend und auf östliche Richtungen drehend, segelten wir nach Kotka und nahmen um 07:00 Uhr morgens mit dem port control Kontakt auf. Die letzten Meter verholten wir nach Bergung der Segel mit Schlepperhilfe an unseren Liegeplatz.

3 Tage wurde mit einem umfangreichen Programm für Crew und Skipper gefeiert. Im Rahmen der tall ships races erfolgte eine Sicherheitsüberprüfung des Schiffes nach internationalen Regeln. Wegen eines Problems mit den Rettungsinseln nahmen wir Kontakt mit einer Firma in Turku auf und vereinbarten ein Treffen dort auf dem Weg nach Stockholm.

    

Am Samstag, den 21. 7. legten wir unter Segeln ab und verließen im Rahmen einer Parade mit den anderen Teilnehmern Kotka. Bei zum Teil schwachen Winden aus südwestlichen Richtungen lagen wir am nächsten Tag vor Helsinki für einige Stunden in einer Flaute fest. Am Montag, den 23. 7. drehte der Wind unter Zunahme auf Bft. 6 auf Nordost und am frühen Morgen lagen wir beigedreht vor der Schäreneinfahrt nach Turku vor dem kleinen Ort Hanko. Wegen nicht ausreichender Karten nach Turku und des zunehmenden Windes aus NE entschloss ich mich, Hanko anzulaufen. Das Dinghi konnte bei dem Wellengang vor dem Hafen nicht ausgebracht werden, eine Schlepperhilfe von dem Hafenmeister wurde aber wegen des Wetters abgelehnt. Das Funkgespräch wurde jedoch von der Schonerbrigg Lord Nelson/ England und dem Schoner Valborg / Finnland mitgehört, die sich spontan anboten, uns mit ihren leistungsstarken Schlauchbooten zu unterstützen. Um 07:50 Uhr lagen wir fest im Hafen Hanko.

Das Problem mit den Rettungsinseln wurde von hier gelöst, ein Auslaufen am selben Tag war wegen der Wetterbedingungen jedoch nicht möglich. Ein hier lebender Deutscher, der eine kleine Yachtwerft führte, die sich auf den Bau von Haibooten spezialisiert hatte – das finnische Gegenstück zu den schwedischen Schärenkreuzern – bot sich an, uns mit seinem Auto Hanko zu zeigen und gab uns Einblicke in die Geschichte dieser in Finnland nicht unbedeutenden Stadt.

Am Mittwoch, dem 25. 7. liefen wir aus und segelten nach Stockholm. Der ursprünglich geplante Zwischenstopp in Mariehamn wurde aus Zeitgründen abgesagt. Der Wind drehte auf West, so dass wir am 26. 7. kreuzend vor dem Leuchtfeuer Sandhamn lagen. Unmittelbar vor der engen Einfahrt in den Stockholmer Schärengarten sahen wir die Johann Smidt von dem Jugendwerk zur See Clipper vor Anker liegen. Nach Kontaktaufnahme über Funk ging sie ankerauf und schleppte uns durch die erste Engstelle. Spontan boten sie uns danach an, uns nach Stockholm weiterzuschleppen, was wir gerne annahmen. Auf dem Weg dorthin hatten wir reichlich Zeit, das Schiff klar für den Hafen zu machen. Um 13:00 Uhr Leinen fest in Stockholm/ Altstadt.

Auch hier ein umfangreiches Programm mit kostenlosen Museumsbesuchen sowie kostenloser Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Es gab zahlreiche Crewfeste von der Stadt selbst und von den einzelnen Schiffen. Ebenfalls wurden Wettbewerbe zwischen den einzelnen Crews der Schiffe angeboten.

Unsere beiden österreichischen Besatzungsmitglieder verließen die Anita, bei einem war es von Anfang an geplant, der andere spontan wegen beruflicher Probleme. Wir hängten ein Schild an Schiff mit dem Hinweis auf einen freien Platz nach Stettin und konnten uns vor Anfragen kaum retten. Den Zuschlag erhielt ein junges Paar aus Stockholm.

Am Montag, den 30. 7. verließen wir den Hafen - wieder im Rahmen einer Schiffsparade – unter Segeln. Der Wind schlief nahezu ein, am Nachmittag bot sich ohne unsere Anfrage die unter englischer Flagge laufende Simra an, uns in Schlepp zu nehmen. Sie brachte uns vor die Bucht Lösnäshamn 10 nm vor Sandhamn, wo wir um 18:30 Uhr längsseits der Seute Deern von Clipper gingen. Es folgte ein wunderschöner Abend in der Gesellschaft der Crew von der Seuten Deern in einer malerischen ruhigen Bucht.

   

Am frühen Morgen ging es ankerauf und die Seute Deern schleppte uns bis Sandhamn, wo wir Segel setzen und zur Startlinie auf See segelten.

Um 12:00 Uhr erfolgte unser Start zum race II bei südwestlichen Winden zwischen 4 und 5 Bft. Wir schafften es hoch am Wind zu bleiben, während die meisten Richtung Osten versetzt wurden. Das war auch der Grund dafür, dass der Zeitpunkt für das Ende der Regatta um 17 Stunden kurzfristig vorverlegt wurde. Bei zum Teil grober See lagen wir am Morgen des 3. 8. vor Swinemünde. Bei Windstärken um 5 Bft. aus West entschloss ich mich, Schlepperhilfe für die Einfahrt in den Hafen und in die Swine in Anspruch zu nehmen, zumal mir die örtlichen Verhältnisse eng schienen. An der Zollpier fest, bot sich gleich die Simra wiederum an, uns nach Stettin mitzunehmen.

Fest um 16:30 Uhr in Stettin.

Auch hier wieder ein umfangreiches Programm für Crew und Kapitäne. Wie schon in Stockholm annähernd 2 Millionen Besucher und viele Anitainteressierte. Nach der Crewparade am Sonntag wurde uns vor tausenden Zuschauern die Peter and Simon Crother trophy für gute Seemannschaft im Sinne der Initiatoren der tall ships races überreicht. Nach meinem Wissen bekamen wir als einziges deutsches Schiff einen Preis im Rahmen der Regatta.

Am 7. 8. übergaben wir die Anita der Folgecrew in einem guten Zustand und auslaufklar.

Schäden traten auf meiner Reise nicht auf. Sorgen bereitete lediglich, dass unser Schiff mehr Wasser als gewöhnlich machte mit regelmäßig an die 100 Pumpschläge täglich, bei schlechtem Wetter auf See einmal deutlich über 1000. Im Arbeitsbuch wurde darauf hingewiesen.

Wir konnten sehr viel Reklame für die Anita machen und haben viele Interessierte ansprechen können für zukünftige Reisen. Ich meine, dass wir auch in Zukunft an den tall ships races teilnehmen sollten, um hier auch den Wiedererkennungswert zu fördern.

Ich schließe mit einem Brief von Paul Bishop, dem race director:

Dear Eckhard,

Many thanks for your kind message. We were delighted that you and the crew of ANITA enjoyed themselves so much and are planning to compete again in future races. It will be a pleasure to see you all again.

Congratulations too on your award for seamanship – well deserved.

With warm regards,

Paul

Race Director

Sail Training International

Ich bedanke mich bei meiner Crew für die angenehme Reise und bei der SKO dafür, dass man mir und meiner jungen Crew die Anita anvertraut hat.

Offenbach, den 11. 8. 2007, Eckhard Starke, Skipper