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Anita Jugendtörn Die Jugend törnt... Mit einer alten 12er ohne Maschine einen Jugendtörn zu fahren, ist ja ohnehin schon
ein abenteuerliches Unterfangen. Schließlich braucht man für einen solchen Oldtimer eine
erfahrene Crew, die mehrheitlich nicht nur das Segeln, sondern auch das Schiff kennt und
beherrscht. Dennoch kamen immer mal wieder Jugendtörns zustande. Eigentlich war geplant, keine großen Seestrecken zu segeln, sondern mit Rücksicht auf
die junge Crew nur Tagesetappen durchzuführen und die Nächte vorwiegend vor Anker oder
im Hafen zu verbringen. Also alles ganz anders zu machen, als Anita das so gewohnt ist. Freitag, den 24. August Der erste Teil der Crew kommt mittags am Stockholmer Flughafen an. Weil ein Flieger Verspätung hatte, fahren wir erst am Nachmittag los und genießen gleich das Vergnügen des Stockholmer Rushhour-Staus. Der zweite Teil der Crew kommt noch in der Nacht an und kann sich schon einmal auf kurze Nächte an Bord einstellen. Samstag, den 25. August Es folgt das übliche Ritual: einkaufen, bunkern, Schiff durchchecken, Segel
rauszerren, gleich zwei Crewmitglieder in den Mast. Sonntag, den 26. August Bei schönstem Sonnenschein und westlichen Winden um 4 werfen wir um 9:30 Uhr die
Leinen los. Mit herrlichem Sonnensegeln auf Halbwindkursen um 4-5 Bft ist die Einstimmung
aufs Segeln bestens gelungen. Montag, den 27. August Den Wetterbericht erhalten wir auch unterwegs problemlos als grib-File per
saildocs.com, an den wir über das Iridium-Handy eine Anforderungs-Email schicken und nach
ein paar Minuten das Wetter als Antwort-Mail abholen können. Tolle Sache, und bewährt
sich über den ganzen Törn. Dienstag, den 28. August Rasmus bietet uns ein seltenes Schauspiel: Ein kräftiges Sturmtief hat sich über der
nördlichen Ostsee gebildet, sein Kern aber liegt über Südfinnland, und damit sind wir
praktisch im Auge des Sturms. Und das kann man sehen: In jede Richtung blicken wir auf
bedrohlich gefärbte und geformte Wolken-Ungeheuer, um uns herum tobt in jeder Richtung im
Abstand von 50-100 sm der Bär mit 7-8 Bft, aber wir segeln unter blauem Himmel, meist mit
Sonne und moderaten Winden dahin Mittwoch, den 29. August Endlich Duschen! Mit Sauna! Davor ein spätes Frühstück, aber wir haben ja heute auch nichts großes vor. Christian Illner, ein Bekannter von Eckhard, regelt für uns den Austausch der Rettungsinseln, und so haben wir einen entspannten Hafentag mit Stadtbummel, einkaufen und ausruhen. Donnerstag, den 30. August Ein neuer Wetterbericht bestätigt unsere Hoffnung: da das Wetter stabil ist, der Wind
moderat mit 3-4 Bft aus W bis NW kommt und keine Überraschungen angesagt sind, wagen wir
uns mit Anita in die Binnenschären der finnischen Südküste. Das innerste empfohlene
Fahrwasser ist bis zu einem Tiefgang von 3,5m befahrbar, und da wir uns noch immer im
Zentrum eines Tiefs bewegen, sorgt der geringe Luftdruck zusätzlich für höhere
Wasserstände. Freitag, den 31. August Nach einem gemütlichen Frühstück und ein paar Baderunden geht es wieder rein in die
engen Fahrwasser. An der engsten Stelle laufen die Schären auf einen Abstand von knapp
drei Bootslängen zusammen einfach spektakulär! Rasmus ist uns immer noch hold:
der Wind passt in Richtung und Stärke, die Sonne ist fast immer da und die dunklen Wolken
machen dauernd Ausweichmanöver, um uns nicht in die Quere zu kommen. Samstag, den 1. September Nach Schwimmen und Frühstück rückt Helsinki im Laufe des Tages näher, und wie schon
gewohnt kriegen wir kurz vor dem Einlaufen in den Südhafen noch unseren Anlege-Schauer
ab, bevor wir direkt vor der Markthalle festmachen können. Sonntag, den 2. September Wir beschließen einen Hafentag in Helsinki, denn es kachelt am Vormittag ganz
ordentlich. Selbst beim Weg zur Dusche können wir uns nur in vollem Ölzeug ins Beiboot
wagen, so hoch ist der Seegang sogar im Hafenbecken. Und dann ist auch noch die Sauna
ausgeschaltet Sauerei! Montag, den 3. September Eigentlich war ja der Dienstag als Tag der Überfahrt nach Estland vorgesehen. Aber der
Wetterbericht ist der Meinung, dass heute noch Wind übrig ist, morgen aber nicht mehr. So
beschließen wir, die Überfahrt heute zu machen, auch wenn wir dadurch einen Tag zu früh
ankommen. Dienstag, den 4. September Der zu früh zu Ende gegangene Törn beschert uns einen zusätzlichen Hafentag in Tallinn. Nach einem Besuch der kompletten Crew im Schwimmbad und in der Sauna des ehemaligen Olympiazentrums geht es per Bus in die Stadt. Mittwoch, den 5. September Trotz der langen vergangenen Nacht schaffen es alle halbwegs pünktlich aus der Koje.
Die Mühsal des Reinschiffs auf und unter Deck beginnt, aber alle fassen mit zu und so ist
das Werk denn auch am späten Nachmittag vollbracht. Wenn man sich das Schiff so anschaut,
möchte man am liebsten lossegeln. Und auch die beiden Außenborder werden wieder flott
gemacht. Ein solides Ende für einen gelungenen Törn über 388 sm und mein herzlicher Dank an die ganze Crew. München, im September 2007 Andreas Neumann |