Törnbericht Anita A11 18.9.- 27.9. 2007, Danzig - Laboe

Skipper: Michael Hunsdiek

"Suddenly a mighty mass emerged from the water and shot up in the air. It was her, Anita."

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Diejenigen, die Anita kennen wissen, dass sie bei jedem Wetter rennt. Hürdenlauf oder 100m Sprint dazwischen gibt es nichts, so viel habe ich inzwischen gelernt.
Für diejenigen, die Anita nicht kennen: Anita ist eine 12mR Yacht von 1938 erbaut aus Tabasco - Mahagoni auf Stahlspanten bei der berühmten Yachtwerft Abeking Rasmussen in Lemwerder bei Bremen. Stolze 21,57m misst die Anita wobei die Wasserlinie bei 3,50m Breite lediglich 14m misst. Die vermessene Segelfläche beträgt 156,49 m² der ursprünglich als Slup getakelten Yawl. Mehr gibt es nicht zu erwähnen, denn eine Maschine hat die Anita nicht. Dafür bietet sie Segeln pur.
Nachdem wir unseren Skipper Michael Hunsdiek im letzten Jahr bei einer Überfahrt mit einem Klassiker auf Helgoland getroffen haben und dieser uns von Anita und der SK Ostsee erzählt hat war der Stachel gesetzt. Segeln pur, Hafenmanöver mit 30t und Heckanker und guten Holz wo man hinguckt. So muss segeln doppelt Freude bereiten. Törn A11, 2007 war unser, wir sind übrigens Richard, Horst, Hubert und ich (Mike) von Krefelder Segel Klub. Allesamt mit guter und langjähriger Segelerfahrung und als Deckshand zu "fast" jeder seglerischen Schandtat bereit.

Danzig - Laboe hieß es, was dazwischen liegt bestimmen der Wind, Poseidon und der Skipper.

So viel denn Litauen als möglicher erster Stop leider den angesagten westlichen Winden zwischen 6 und 7 Bft zum Opfer. Da keine Durchfahrgenehmigung durch die russische Ostsee vorlag, wären wir aus der Ecke nicht wieder herausgekommen. Also erst einmal Richtung Bornholm.
Beim Bunkern in Danzig hat sich dann schon gezeigt wie wichtig Anita Kenntnisse sind. Wie selbstverständlich unsere Smut Margitta die 10 Tages-Ration verstaut hat ist kaum vorstellbar und beim Sparmarkt (fast) um die Ecke waren wir gern gesehene Kunden.
Jetzt begannen wir aber schon mit den Hufen zu Scharren, endlich raus. Der Schlepp durch die hübsche Hafenmeisterin war schnell organisiert. Knoten sind allerdings nicht ihr Ding. Zumindest musste der Plan uns rückwärts ins Fahrwasser schleppen zu lassen wegen plötzlichem lose gehen der Schleppleine an Motorboot über Bord geworfen werden. Dingy und 8 PS sei Dank konnte das Manöver aber sicher vollendet werden. Dabei sieht man was Massenträgheit doch so ausmacht.
Als denn einmal Segel gesetzt waren war von Massenträgheit allerdings nichts mehr zu spüren.
Sogar Anita schien die Fahrt Freude zu machen. Anfänglich noch den Wind suchend sprang sie schnell an und machte gute Fahrt.
Einzig der lange Kiel und gute Besanführung sorgt für Ruhe und macht Anita gefügig.

Die Wachen um unsere Wachführer Ralf, Lothar und Michael haben sich schnell gefunden, schließlich waren die Spezialisten - Walfried, als bordältester und erfahrener Segler, der "kleine" Michael, stolzer SHS Inhaber und Urip, unser Junior und Sohn vom SKO Vize gut auf alle drei Wachen verteilt.
So harmonisch wie die Wachen haben wind und Wellen allerdings nicht mit gespielt. Schon in der ersten Nacht ging es los. Hoch an den Wind und feste See forderten die ersten Opfer. Motion Sickness will ich das mal vorsichtig umschreiben. Und die Motion nahm in den kommenden 48 Stunden noch deutlich zu. Bei Seegang 5 und Windstärke 8 und 8 von 11 Mann/Frau Ausfall der Besatzung war dann schließlich Schluss mit lustig.
Den Geruch hat man ja wegen der Gewöhnung nicht mehr wahr genommen, das Tüten in die Hand gedrückt bekommen beim Gang vom Vorschiff zur Kombüse ist allerdings speziell. Die oben beschriebene Szene aus "The Whale Fisherman" beschreibt ursprünglich einen Walfisch. Anita verhält sich bei Welle aber auch nicht anders.

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Die aktive Wache hat schon ein neues Ziel vor Augen und scheinbar zum greifen nah. Aus Sicherheitsgründen folgen jedoch 12 Stunden beidrehen. Strom und Wind sind gnädig und wir treiben nur 36 sm zurück. Haben aber Zeit die Knochen und Eingeweide wieder zu sortieren bevor es weiter Richtung Bornholm geht. Wieder gestärkt ist das Ziel dann auch schnell erreicht und alle froh als in Bornholm der Heckanker fällt. Jetzt noch verholen und gut ist. Im Fährhafen fehlte hierzu jedoch die Zustimmung des Hafenmeisters, der sehr hilfsbereit erst einmal das einlaufende Kümo vorbei lotste und uns dann per Schlepper zum Liegeplatz bugsierte. Sehr versiert, dass muss man den Jungs schon lassen, allerdings anschließend auch gut verschmiert. Aber dazu hat der liebe Gott ja Deckshands und Polierpaste erschaffen.

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Den Hafentag haben wir dann zum klar Schiff machen und Skipper Michael zum Durchführen der notwendigsten Reparaturen genutzt. Auf Lothar's Idee hin gab es noch eine Linienbus Rundfahrt soweit die Zeit und Bordkasse dies zuließ. Dabei hat sich gezeigt, dass man mit dänischen Busfahrern und Busfahrerinnen im Unterschied zu unseren ruhig sprechen darf. Es gab reichlich touristische Informationen und Hintergrund zum Zwist auch zwischen Lübeckern und Dänen/Bornholmern. Diese sind aber und Lothar war's beruhigt inzwischen ad acta gelegt.
Auf der Weiterfahrt Richtung Laboe war auch von Welle nichts mehr zu spüren. Bei SW-Winden zwischen 4 und 5 Bft und nahezu keinem Seegang flog Anita quasi über die Ostsee. Welchen Durchschnittswert kalkulieren wir denn jetzt für unser Etmal. Je nach Wind eine echte Herausforderung. Da ist alles drin, von 2-12 Knoten. Tatsächlich sind es 9 geworden und der Ritt vorbei an Fehmarn mitten in der Nacht bei Vollzeug, 10 Knoten Fahrt, dem verdienten Bier nach Wachende und Temperaturen um 18 Grad haben voll und ganz für die Strapazen auf dem Leg nach Bornholm entschädigt.

Statt direkt in Laboe einzulaufen gab es noch einen Tagesausflug noch Eckernförde, der sich schon wegen der Eisdiele (es gab Mengenrabatt) und der dort liegenden Grossegler gelohnt hat.

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Und schließlich erreichen wir tagsdrauf Laboe. Mit eingespielter Mannschaft haben wir einen Anleger wie aus dem Lehrbuch gezeigt und wie immer Dank Anita großen Respekt und enormes Interesse geerntet.

Mit Stolz haben wir abschließend noch Klub-Wimpel getauscht und freuen und schon auf das kommende Jahr mit Anita.

Euer Mike